Schwerpunktbranchen in Mitteldeutschland

Qualmende Schornsteine in Sachsen-Anhalt, moderne Hightech-Glaspaläste in Sachsen, der 30 Etagen hohe JenTower in der thüringischen Optik-Metropole Jena – all das steht für die Wirtschaft in Mitteldeutschland. Hier haben sich in den vergangenen Jahrzehnten einige Schwerpunktbranchen herausgebildet. Dazu zählen unter anderem die Automobilproduktion, die Optik und die Chemieindustrie.

Tradition verpflichtet: Chemie aus Sachsen-Anhalt

Wer zu DDR-Zeiten mit dem Zug oder Auto an Bitterfeld vorbeifuhr, konnte die dreckigen Rauchschwaden an den Schornsteinen schon von Weitem erkennen und riechen. Die Region galt als Sinnbild der Umweltverschmutzung – in der DDR lange ein Tabuthema. Nach der Wende änderte sich das. Kombinate machten dicht, jeder Dritte Beschäftigte verlor seinen Job. Immerhin wurde die Luft wieder sauberer. Trotzdem hat die traditionsreiche Chemieindustrie die Zeiten überdauert. Schließlich werden hier seit mehr als 100 Jahren Chemieprodukte und Kunststoffe hergestellt.
Durch Milliardeninvestitionen entstand nach der deutschen Vereinigung einer der effizientesten Chemiestandorte weltweit. Konzerne wie Bayer, BASF oder Total beschäftigen in Leuna, Bitterfeld-Wolfen, Schkopau, Zeitz und Zeitz Böhlen mehr als 75.000 Mitarbeiter. Viele der 750 Firmen aus der Branche setzen auf Kunststoff. Dieses Produkt wird immer häufiger eingesetzt, beispielsweise in der Autoindustrie. Die Lieferwege sind dafür kurz, denn auch Autos gehören heute zu den Exportschlagern Mitteldeutschlands.

Sportwagen und Computertechnik

Lediglich 100 Kilometer Luftlinie von Bitterfeld entfernt rollen VW-Golf vom Band.

In Zwickau werden seit 1904 ohne Unterbrechung Automobile hergestellt. Zu DDR-Zeiten wurde im Sachsenring-Werk der legendäre Trabant gebaut. Inzwischen beschäftigt Volkswagen in Zwickau, Chemnitz und Dresden gut 6.000 Mitarbeiter. Inzwischen zog es auch Porsche nach Sachsen. Drei von vier seiner Sportwagen stammen heute aus Leipzig. Opel produziert zudem in Eisenach, Neoplan in Plauen.

Außerdem wird in Mitteldeutschland automobile Zukunft entwickelt. BMW hat sein Elektromobilitäts-Kompetenzzentrum in Leipzig angesiedelt. An sächsischen Hochschulen wird unter anderem zum Leichtbau geforscht. Auch zahlreiche Zulieferer sitzen in der Region. Insgesamt sichert die Automobilindustrie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen über 130.000 Arbeitsplätze.

Zu den Schwerpunktbranchen zählt auch die Mikroelektronik. Unter der Marke Robotron wurden in Dresden schon zu DDR-Zeiten erste Computer entwickelt. Auch die ersten Chips wurden hier produziert. Darauf ließ sich nach der Wende aufbauen. Davon zeugen große Fabriken von Globalfoundries (ehemals AMD) oder Infineon sowie zahlreiche kleinere Firmen. Mit 50.000 Beschäftigten gilt der sächsische Mikroelektronik-Standort als europaweit führend.

Durchblick mit Optik und am Mikroskop

144 Meter hoch ragt der JenTower über dem thüringischen Jena. Er wirkt wie ein Leuchtturm. Tatsächlich gilt auch die Stadt an der Saale selbst wirtschaftlich als Leuchtturm. Vor allem in der optischen Industrie hat sich Jena weltweit einen Namen gemacht. So war der VEB Carl Zeiss Jena größtes DDR-Kombinat. Dort waren zum Ende der DDR 60.000 Menschen beschäftigt. Daran konnte nach der Wende nicht angeknüpft werden.

Der Übergang in die Marktwirtschaft gelang aber nahezu reibungslos. Mit Unternehmen wie Jenoptik, Schott und Zeiss setzt die “Stadt des Lichts” auf ihre Tradition. Fast 15.000 Menschen arbeiten heute in der Branche. In der Region setzen die 170 Optik-Unternehmen sie etwa 2,5 Milliarden Euro um. Fast zwei Drittel der Produkte gehen in den Export. Darüber hinaus beschäftigen sich viele Forschungseinrichtungen und Hochschulen in Thüringen mit der optischen Industrie.

Grüne Technologie der Zukunft

Auch am Mikroskop wird in Mitteldeutschland Zukunft geschrieben. Die Biotechnologie zählt auch hier zu den aufstrebenden Branchen. 200 Unternehmen forschen in den drei Bundesländern unter anderem zu neuen Diagnostikmethoden in der Medizin, züchten Enzyme und Zellen für die Herstellung von Arzneimitteln. Die sogenannte “grüne Biotechnologie” beschäftigt sich mit der Veränderung von Pflanzen. 6.000 Jobs sind damit in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verbunden. Die Wachstumsraten der Branche ist immens.

Stark gewachsen ist trotz Branchenkrise auch die Photovoltaik in Mitteldeutschland. Jede siebente Solarzelle auf dem Weltmarkt stammt aus der Region. 30 Solar-Firmen beschäftigen inzwischen etwa 10.000 Mitarbeiter.